Schafsbrief zum Umgang der Kirchenleitung des Bistums Trier

mit dem Mißbrauchsfall in Burbach

 

Liebe Schafe, mein Hirte,

 

heute wende ich mich – als Schafsbeauftragter des Bistums Trier - hilflos und wütend an Euch. Seit Januar 2011, so die Presse, wird im Bistum Trier eine Missbrauchstat verdeckt, verheimlicht, unter den Teppich gekehrt.

 

Wieder einmal kann ich nicht sehen, was hinter den dicken Mauern an Anstrengungen vorgenommen wird, den Ruf der Kirche zu retten.

Wir sprechen hier nicht von einem kleinen Delikt. Ich bin zwar ein Schaf, aber in dem Artikel der Frankurter Rundschau konnte ich folgenden Satz lesen:

 

.Auf die Küsse folgte der Oralverkehr, auf den Oralverkehr der

Beischlaf. Immer sonntags, am Tag des Herrn, immer vor einem Spiegel, in den sie noch heute nicht ohne

Ekel blicken kann, immer so, dass sie am Ende mit Malen am Körper zurückblieb.

 

 

Jetzt war mir nicht klar, was das bedeutet. Oralverkehr, Beischlaf. Für alle unwissenden Schafe und auch Hirten: Das ist kein zartes über die Wange streichen, beim Oralverkehr steckte der Pfarrer dem Mädchen seinen Schwanz, Verzeihung seinen Penis, in den Mund.

Beim Beischlaf – üblicherweise in der sogenannten Missionarsstellung - steckte der Pfarrer seinen Penis in die Scheide eines zu diesem Zeitpunkt etwa 12jährigen Mädchens.

 

Kein Kavaliersdelikt, knallharter Missbrauch! Soviel zur Klarstellung, warum der erste Schafsbrief geschrieben wurde. Begründung ausreichend?

 

Nun, hat das Bistum offensichtlich vor Januar 2011 „keine Hinweise“ gehabt. Wie denn auch? Laut Bischof Ackermann aus dem Jahre 2010 wird es keine Aufarbeitung alter Personalakten geben. Punkt. Will heißen, dass evtl. Vortaten, Meldungen, etc., diesen Fall betreffend, selbst wenn vorhanden noch in den Akten schlummern, wissentlich ignoriert wurden, oder bereits im Geheimarchiv verschwunden sind.

Das Opfer hatte sich etwa 1998 schon mal an Trier gewandt, doch davon weiß mein Hirte und sein Stab wohl nichts.

 

 

Mein Hirte hatte mit fest versprochen, und dafür haben wir Ihn alle in der Herde bewundert, endlich dem Täuschen, Tarnen, Verheimlichen, Kleinreden, etc. ein Ende zu setzen. Dafür hat man Ihn auch belohnt. 2010 wurde er für seine mutigen Worte zum Beauftragten der Bischofskonferenz für alle Fragen im Zusammenhang des sexuellen Mißbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich ernannt. Was haben wir geblöckt an diesem Tag. Unser Bischof wird das jetzt in die Hand nehmen.

 

Und jetzt das: Die Staatsanwaltschaft eröffnet Anfang Januar 2011 ein Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer K. aus Burbach. Die Eröffnung eines Ermittlungsverfahren geschieht bei begründeten Verdachtsmomenten und dient dazu, Beweise, belastende als auch entlastende, zu ermitteln. So hat mir das Judith, unser Rechtsschaf, mal knapp erklärt.

 

Was ist bis zum heutigen Tag passiert? Das wüssten wir gerne. Denn offensichtlich ist die Kirchenleitung in alte, vertraute Rituale verfallen. Wir fressen zwar auch Tag für Tag Gras, aber wir versprechen nicht, dass wir ab morgen Regenwürmer fressen.

 

Mein Hirte, heute hat eine Kuh am Weidezaun kurz aufgeblickt und gesagt: „ Was ist nur aus eurem Verein geworden? Ich hab verschämt weiter gefressen, denn ich habe keine Antwort gehabt!

 

Dann hält mir die blöde Kuh noch einen alten Artikel unter die Nase:

 

...Die Erkenntnisse der letzten Wochen, wie viele Menschen Opfer sexualisierter Gewalt durch kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wurden, die Schilderungen der Betroffenen, wie sie lebenslang an den Folgen zu tragen haben, und die heftigen Auseinandersetzungen um die richtigen Verfahrensweisen haben viele Katholikinnen und Katholiken unseres Bistums erschüttert. Bei alledem bleibt etwas Gutes: Endlich wird es möglich, die Dinge zur Sprache zu bringen, die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen und die Vorgänge aufzuarbeiten. Bischof Ackermann.

Da ist man zunächst sprachlos. Das war nicht der einzige Artikel, den ich an diesem Tag lesen durfte. In allen Verlautbarungen, Stellungnahmen, Interviews finden sich immer und immer wieder die wohlfeilen Absichtserklärungen.

 

Unser Hirte hätte alle Möglichkeiten gehabt, den Pfarrer sofort zu suspendieren. Als Hirte kann man das laut Leitlinien:

 

Maßnahmen bis zur Aufklärung des Falls

 

 

31. Liegen tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs an

 

Minderjährigen vor, entscheidet der Diözesanbischof über das weitere Vorgehen. Soweit es

die Sachlage erfordert, stellt der Diözesanbischof die beschuldigte Person vom Dienst frei und

hält sie von allen Tätigkeiten fern, bei denen Minderjährige gefährdet werden könnten (vgl.

Art. 19 der „Normae de gravioribus delictis“).

 

32. Der beschuldigten Person kann auferlegt werden, sich vom Dienstort fernzuhalten.

 

33. Die beauftragte Person ist über die beschlossenen Maßnahmen und den jeweiligen

Stand der Umsetzung zu informieren. Der Diözesanbischof bestimmt eine Person, die seitens

der Diözese das mutmaßliche Opfer (ggf. seine Eltern bzw. Erziehungsberechtigten)

unterrichtet.

 

Stattdessen: Bühne frei für die Eröffnung der Kita St. Eligius im Juni 2011 durch Pfarrer K., Bühne frei für die Verabschiedung von Pfarrer K. im September 2011. Und, oh Wunder die Entlassung im Oktober 2011. Die Gemeinde und den Dechant informiert man erst kurz vor Erscheinen des Presseartikels (04.12.2011). Das erinnert mich an unser Schafscheren. Wenn die Autos der Scherer am Horizont auftauchen dann fangen wir plötzlich alle an ganz wild zu blöcken.

 

Mein Hirte: Du brauchst geschlagene 11 Monate, um das zu klären? Du nimmst wissentlich in Kauf, Du gehst das Risiko an dieser Stelle, dass es wieder passieren könnte. Ein forensisches Gutachten soll ja jetzt erstellt werden. Heißt, wir sind uns nicht sicher, es könnte sein.

 

Du hast ausreichend Informationen gehabt, dass ein begründeter Anfangsverdacht vorliegt. Wo liegt das Motiv, für diese Vorgehensweise? Was steckt dahinter? Sind Wölfe unterwegs? So blöd ist kein Schaf, als dass es diesen Mist nicht durchblickt. Ob gewollt oder ungewollt, völlig egal, völlig versagt. Dilettantismus, struktureller Missbrauch des Opfers.

 

Was soll ich morgen in der Lämmerstunde erzählen? Ja, der Hirte der war in Urlaub, und dann war er noch auf dem Weltjugendtag, und die Mauern sind so dick, und das muss Schaf verstehen, und der Pfarrer K.,der war ja eigentlich ein guter Pfarrer, hat soviel für Burbach gemacht.

 

Du und dein Hirtenstab, ihr habt es verbockt, zumindest trägst Du formell die Verantwortung dafür.

 

Übrigens haben wir jetzt W-LAN auf der Weide und zwei Schafe zur Webschulung geschickt. Die können jetzt Internet. Und Email auch. Viele Schafsköpfe stecken jetzt zusammen und versuchen den Fall genau zu recherchieren, um eine genaue Chronologie der Abläufe zu erarbeiten.

 

Wir sind auf die Seite des Bistums gelangt, aber da steht im Bereich Bischöflicher Pressedienst derzeit nix. Habt ihr eine Arbeitsgruppe, die sich jetzt nicht auf eine Verlautbarung einigt? Oder wollt ihr jetzt in Schweigen verfallen? Oder ist noch größeres Unheil im Hintergrund, was es zu verheimlichen gilt, weil wir Schafe es nicht ertragen könnten?

 

Ein Tipp von unserem Presseschaf:

 

Komm zu uns auf die Weide, stell Dich den Fragen, und erläutere diesen Bockmist. Auch wollen wir helfen eine neuen Zaun für unsere große Weide zu bauen. Im Moment laufen wir aber lieber weg.

 

MÄH !

 

Quellen: Webseiten der Deutschen Bischofskonferenz und des Bistums Trier